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Die Hexenverbrennungen von Gerresheim bezeichnen eine Hinrichtung im Jahr 1738, welche in der damals ehemaligen Gemeinde Gerresheim vollzogen wurde. Die Frauen Helena Curtens und Agnes Olmans wurden wegen Hexerei am 19. August 1738 auf dem Scheiterhaufen auf dem Gerresheimer Marktplatz verbrannt.

VorgeschichteBearbeiten

Anfang 1737 wird Richter Johann Weyrich Sigismund Schwarz aufgrund von Erzählungen in der Gerresheimer Bevölkerung auf Helena Curtens aufmerksam, welche zuvor angab, bei Pilgerfahrten nach Kevelaer verdächtige Tücher von einem „schwarzen Mann“ erhalten zu haben, die sie später immer wieder getroffen haben will. Anfang April 1737 wird Helene Curtens inhaftiert und zum Sachverhalt vernommen. Sie gab zu Protokoll, dass sie „Hasen und Mäuse herbeizaubern“, sich unsichtbar machen oder gar Tiergestalten annehmen könne. Zudem beschuldigt sie ihre Nachbarin Agnes Olmans, ein Bündnis mit „dem Theufell“ eingegangen zu sein.

Das VerfahrenBearbeiten

Am 8. April wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, in dessen Verlauf auch die Eheleute Olmans samt den zwei gemeinsamen Kindern Ende April inhaftiert und verhört werden. Heinrich Olmans sowie die sechsjährige Marie Elisabeth werden frei gelassen, während die Mutter und ihre 16-jährige Tochter Sibilla (vermutlich auch Sybille) weiterhin inhaftiert blieben. Richter Schwarz ist skeptisch gegenüber den freilichen Aussagen von Helena Curtens und fügt als Randnotiz [1] hinzu: „Ich kan aber dises nit glauben!“ Es fanden körperliche Untersuchungen von Agnes Olmans und Helena Curtens statt. Am 25. April 1737 findet im Hause Olmans eine Hausdurchsuchung statt, weil von einer „verdächtigen Salbe“ berichtet wurde, die „auf ungewöhnligem orth unter einer Kiste und Breth“ tatsächlich gefunden wird und Richter Schwarz somit das erste reelle Beweismittel hat. Bis heute ist allerdings nicht bekannt, welcher Zweck diese Salbe hatte und was am Abschluß der Ermittlungen damit geschah. Ein erster ausführlicher Zwischenbericht wurde am 8. Mai 1737 verfasst und an den Hofrat zu Düsseldorf gesendet. Im Mai und Juni fanden weitere Verhöre der Curtens statt. Sie bestätigt weiterhin ihre Aussagen und beschuldigt auch weiterhin Agnes Olmans. Auch hat Curtens in dieser Zeit mehrere Anfälle, in der sie wüst umstehendes Personal beschimpft und tobsüchtig wird. Dies wird als weiteres Merkmal gegen Curtens gewertet, in dessen Folge ein Exorzismus bei ihr durchgeführt wird. Pastor Otto Curtius verbrennt die von Curtens aus Kevelaer mitgebrachten Tüchter als „Theufells Werk“, welches als Beweismittel hätten verwendet werden können. Ein Düsseldorfer Gutachter wird diese Tat später verurteilen. Am 29. Juni 1737 werden die Ermittlungen abgeschlossen und alle Unterlagen samt Helena Curtens, Agnes und Sibilla Olmans werden zum Appellationsgericht Düsseldorf gebracht. Vor dem Gericht wiederholt Curtens ihre Aussagen während Agnes Olmans weiterhin, sogar unter Androhung von Folter, ihre Unschuld beteuert.

Im Frühjahr 1738 verstärken sich die Tobsuchtsanfälle von Helena Curtens, welche den Verdacht der Hexerei bestärken und einen weiteren Exorzismus zur Folge hat. In weiteren Anhörungen gibt Curtens an, mit dem „Schwarzen“ „am 3. oder 4. Januar“ Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Vier Hebammen untersuchten sie, stellten jedoch ihre Jungfräulichkeit fest. Agnes Olmans bekräftigt erneut ihre Unschuld, bis sie durch Folter mit dem „spanischen Stiefel“ dann zu einem falschen Geständnis gezwungen wird.

Entscheidung und Vollstreckung der TodesstrafeBearbeiten

Am 24. Juli 1738 kommt es zum Abschluß der Untersuchungen. Richter Eckarth empfiehlt, die Tochter Sibille Olmans freizulassen. Helena Curtens und Agnes Olmans hingegen werden wegen Hexerei zur Hinrichtung auf den Scheiterhaufen verurteilt. Eine vorherige Erdrosselung wurde abgelehnt. Die Verbrennung soll somit langsam geschehen, damit beide Frauen „Zeit für Gebete“ hätten und ihren „Frieden mit Gott“ machen können. Das Urteil wird knapp einen Monat später durch Pfalzgraf Karl Philipp von Neuburg, den Landesherrn des Amt Mettmann, bestätigt. Am Sonntag, 17. August 1738, sollen evangelische und katholische Pfarrer auf die in zwei Tagen stattfindende Hinrichtung aufmerksam machen. Zwecks der Territion sollten auch Gläubige dieser Hinrichtung beiwohnen. Am Dienstag wurden beide Frauen mit dem Karren zum Gallberg gebracht, vermutlich vom Scharfrichter zuvor „widerrechtlich“ erdrosselt und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bewertungen der heutigen ZeitBearbeiten

Der damalige Kriminalfall, der heute rechtlich als Justizirrtum bewertet wird, wurde lange Zeitausgeschwiegen, bis es 1987 zu einer erstmaligen Erwähnung kam, in dessen Folge eine Aufarbeitung erfolgte. Unter anderem wurden Verfahrensweisen sowie Würdigung bei Urteilsfällung kritisiert. Bereits 1921 wurde Richter Schwarz in der Literatur „grausam und geistesbeschränkt“ bezeichnet. Jennifer Striewski vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Landschaftsverband Rheinland, kritisierte, dass Hofrat Eckharth sich bei der Urteilsfindung auf 30 namhafte Dämonologen und Juristen stütze, die Hexenverfolgungen befürworten. Kritiker wie Friedrich Spee wurden weitestgehend ignoriert [2]. Der Düsseldorfer Historiker Peter Stegt arbeitete unter anderem historische Fehler dieser Geschichte auf und kam nach akribischer Recherche zu dem Schluss, dass es sich trotz kritischer Betrachtung Schwarz' „keinesfalls um eine Ehrenrettung von Richter Schwarz“ handele.[1]

Auch wurde lange nachgeforscht, wie es zum Verhalten Helena Curtens' kommen konnte. Man ging davon aus, dass sie aus gesundheitlichen Gründen Pilgerfahrten nach Kevelaer unternahm, welcher damals als Wallfahrtsort galt. Zudem soll sie ein ablehnendes Verhältnis gegenüber ihrer Schwiegermutter gehabt haben. Man geht weiterhin davon aus, dass sie geistig verwirrt war. Unklar ist allerdings, warum Helene Curtens sich damals Agnes Olmans ausgeguckt hat.

Ehrungen und RehabilitationsversucheBearbeiten

Lange Zeit wurde dieser Fall nicht thematisiert, bis 1987 auf einem Karnevalsorden darüber gesprochen wurde.[3] In Folge dessen Aufarbeitung wurde auf Initative, unter anderem durch Monika Bunte, am 25. November 1989 ein Gedenkstein auf der Ecke Schönau-/Dreherstraße errichtet. Im Jahr 2011 hat ein Beschwerdeausschuss einstimmig beschlossen, dass Curtens und Olmans gedacht und diese rehabilitiert werden sollen. Andreas Vogt setzte sich dabei mit Bernhard Meisen, einem bermeintlichen Diplom-Theologen auseinander. Während Andreas Vogt angab, man müsse „ein mahnendes Zeichen gegen die Ausgrenzung Andersdenkender zu setzen“,[4], negierte Meisen diese Auffassung und begründete es damit, „dass beide verurteilten Frauen in abergläubische Praktiken und phytotherapeutisches Detailwissen involviert waren“. Zudem sei das Urteil nach damaliger Rechtssprechung „so in Ordnung gewesen“. Denn durch eine, wie auch immer geartete, Rehabilitierung der beiden Frauen würde sein katholischer Glaube in seinen „elementaren Teilen in Frage gestellt“[5]. Allerdings sehe auch er die Verbrennung als „übertriebene Rechtsfolge“ an. Michael Hänsch, Mitgleid im Katholischen Gemeindeverband, sandte Vogt am 9. November 2011 eine E-Mail, in der er Meisens Aussagen kritisierte. Zum einen sei Herr Meisen als katholischer Diplom-Theologe „dagegen bisher noch nirgendwo in Erscheinung getreten“, weshalb gebeten wurde, „seine Ansichten lediglich als seine Privat-Meinungen zu werten“ da sie „von keinem in unserer Kirche geteilt werden“[6]. Auch stünden rechtliche Schwierigkeiten eienr Rehabilitation entgegen. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe von der CDU: „Das Urteil über die beiden Frauen aus Gerresheim ist nach langer Beweisaufnahme vom damaligen landesherrlichen bergischen Schöffengericht in Düsseldorf gefällt worden. Eine Rehabilitierung im vorliegenden Fall würde eine Aufhebung eines Urteils bedeuten“. Zudem dürfe man nicht rehabilitieren da man nicht Rechtsnachfolge des Landgerichts ist.[5] Allerdings einigte man sich darauf, den beiden Frauen einen Platz zu widmen, sie damit „moralisch zu rehabilitieren“ und so wurde im April 2012 der Helena-Curtens-und-Agnes-Olmans-Platz eingeweiht.[7]

Weblinks und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 Düsseldorfer Anzeiger, 14.12.2014: Keine Ehrenrettung
  2. LVR Rheinische Geschichten, 30.09.2010: Helena Curtens (1722-1738), Hexenprozessopfer, verfasst von Jennifer Striewski
  3. Rheinische Post, 19.12.2014: Der letzte Hexen-Prozess in Gerresheim
  4. Rheinische Post, 04.11.2011: Todesurteile von 1738 - Rat soll Hexen rehabilitieren
  5. 5,0 5,1 Der apokryphe Orden, November 2011: Hexenverbrennung: Düsseldorfer Politiker & Theologe lehnen Rehabilitation ab
  6. Anton Paetorius, E-Mail von Michael Hänsch an Andreas Vogt
  7. Rheinische Post, 20. April 2012: Platz erinnert an Verfolgung

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